Sehenswürdigkeiten auf Usedom

Usedom hat weit mehr zu bieten als seine berühmten Strände. Die Sonneninsel überzeugt mit einer einzigartigen Mischung aus mondäner Bäderarchitektur, bewegter Geschichte, faszinierender Natur und lebendiger Kultur. Vom nördlichsten Zipfel bei Peenemünde bis zur polnischen Seite bei Swinemünde warten zahlreiche Sehenswürdigkeiten auf Entdecker aller Art - ob für einen Regentag, einen Familienausflug oder einen kulturellen Streifzug abseits des Strandes.

Nachfolgend eine kleine Auswahl an Sehenswürdigkeiten, die unserer Meinung nach erwähnenswert sind. Um keine Wertung vorzunehmen, erfolgt die Auflistung alphabetisch.

 

Baumwipfelpfad Heringsdorf - Usedom von oben erleben

Unweit von Heringsdorf schlängelt sich der 2021 eröffnete Baumwipfelpfad auf rund 1350 m Länge barrierearm durch den inseltypischen Buchen- und Kiefernbestand des Heringsdorfer Waldes. Entlang des Weges laden zahlreiche Lern- und Erlebnisstationen dazu ein, Wissenswertes über den Naturpark Usedom, die heimische Tier- und Pflanzenwelt sowie das Ökosystem Wald auf spielerische Weise zu entdecken.

Familien mit Kindern kommen ebenso auf ihre Kosten wie naturinteressierte Erwachsene. Höhepunkt des gesamten Pfades ist der ca. 33 m hohe Aussichtsturm, der nach dem historischen Vorbild der Bismarckwarte gestaltet wurde, die von 1907 bis 1946 nur wenige m entfernt stand. Bei klarer Sicht reicht der Blick vom Turm weit über die Insel, die Ostsee und das Achterwasser hinaus. Der Pfad ist ganzjährig begehbar, gut ausgeschildert und auch für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen weitgehend zugänglich. Ein lohnender Ausflug für die ganze Familie - besonders schön in den Herbstmonaten, wenn der Wald sich in warme Farben kleidet.

 

Historisch-Technisches Museum Peenemünde - Geschichte der Raketenforschung

Das Historisch-Technische Museum in Peenemünde erinnert an einen der bedeutsamsten und zugleich dunkelsten Orte der deutschen Geschichte. Bereits in den 1930er Jahren wurde auf dem nördlichen Zipfel Usedoms das größte militärische Forschungszentrum Europas errichtet. 1942 startete von hier aus die erste Großrakete der Welt - die berüchtigte V2 - ins All.

Das Museum dokumentiert auf eindrucksvolle Weise die Entwicklung der Raketentechnik im Zweiten Weltkrieg, beleuchtet die Zwangsarbeit, die mit der Rüstungsproduktion verbunden war, und zeigt den Weg dieser Technologie in die zivile Raumfahrt nach Kriegsende. Originalexponate - darunter eine der letzten erhaltenen V2-Raketen - historische Dokumente und multimediale Ausstellungen machen den Besuch zu einem nachdenklich stimmenden, aber auch fesselnden Erlebnis.

Ergänzend lohnt ein Spaziergang am Haupthafen, wo das U-Boot Juliett vertäut liegt, sowie ein Besuch in der Phänomenta, dem interaktiven Science-Center direkt vor Ort. Für Geschichtsinteressierte ist Peenemünde ein absolutes Muss.

Historisch-Technisches Museum Peenemünde (Bild Usedom Tourismus)

 

Kaiserbäder Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin - Mondänes Erbe an der Ostsee

Die drei Seebäder Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin bilden zusammen die berühmten Kaiserbäder - benannt nach Kaiser Wilhelm II., der die eleganten Badeorte besonders schätzte und regelmäßig hier residierte. Schon im 19. Jahrhundert strömte die Berliner Gesellschaft hierher, um das milde Ostseeklima zu genießen. Neben Ministern und Industriellen zählten auch Schauspieler und Künstler zu den prominenten Gästen.

Noch heute zeugen prachtvolle Gründerzeitvillen mit Türmen, Säulen und aufwendig verzierten Fassaden von dieser glanzvollen Epoche. Eine ca. 8,5 km lange Strandpromenade verbindet die drei Orte miteinander und lädt zu ausgedehnten Spaziergängen ein. In Ahlbeck steht die älteste Seebrücke Deutschlands, in Heringsdorf ein der längsten Europas mit ca. 500 Metern. Entlang der Promenade reihen sich Cafés, Restaurants und kleine Boutiquen aneinander. Die Kaiserbäder sind zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert - im Sommer voller Leben, im Herbst und Winter mit einem ganz eigenen, melancholisch-schönen Charme.

 

Schloss Stolpe - Renaissance im Herzen Usedoms

Schloss Stolpe zählt zu den ältesten Baudenkmälern der Insel und geht auf einen Renaissancebau aus dem 16. Jahrhundert zurück. Seit Beginn des 13. Jahrhunderts ist das Anwesen im Besitz der adligen Familie von Schwerin - eine bemerkenswerte Kontinuität, die das Schloss zu einem lebendigen Stück Adelsgeschichte macht. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde es mit Barockelementen ergänzt, der heute sichtbare Historismus-Charakter kam in späteren Jahrhunderten hinzu.

Nach wechselvoller Geschichte und umfangreichen Sanierungsmaßnahmen ist Schloss Stolpe heute ein kultureller Veranstaltungsort für Konzerte, Lesungen und Theateraufführungen. Auch Hochzeiten finden in diesem stimmungsvollen Rahmen statt und verleihen dem Schloss eine romantische Aura. Das Gebäude liegt im ruhigen Achterland abseits der großen Seebäder und ist umgeben von altem Baumbestand und weiten Feldern. Wer die Insel jenseits von Strand und Promenade erleben möchte, findet in Schloss Stolpe einen der authentischsten und eindrucksvollsten Orte Usedoms - ein echtes Ausflugsziel für Kulturinteressierte.

Schloss Stolpe (Bild Usedom Tourismus)

 

Schmetterlingsfarm Trassenheide - Europas größte ihrer Art

Die Schmetterlingsfarm Trassenheide ist Europas größte Schmetterlingsanlage und beherbergt zwischen 1500 und 2000 tropische Schmetterlingsarten aus aller Welt. In einer ca. 2500 m² großen Freiflughalle herrscht das ganze Jahr über ein angenehm mildes, tropisch-feuchtes Klima - ein wohlig-warmer Kontrast auch an kühleren Ostseetagen. Besucher können hautnah die verschiedenen Entwicklungsstadien vom Ei über die Raupe bis zum fertigen Falter beobachten und erleben, wie Schmetterlinge im freien Flug durch die üppige Bepflanzung gleiten und sich manchmal sogar auf der Hand der Besucher niederlassen.

Neben den farbenprächtigen Schmetterlingen sind in der Anlage auch Papageien, Riesenschildkröten, Vogelspinnen und Skorpione zu sehen. Die Schmetterlingsfarm ist täglich geöffnet und liegt direkt am Bahnhof Trassenheide - ideal auch ohne Auto erreichbar. Als wetterunabhängiges Ausflugsziel ist sie ein Favorit für Familien mit Kindern, begeistert aber auch Naturliebhaber jeden Alters. Im Sommer sollte man etwas Wartezeit einplanen, da die Farm zu den meistbesuchten Attraktionen der Insel zählt.

 

Seebrücken - Wahrzeichen der Ostseebäder

Kein Ostseebad ohne Seebrücke - und in puncto Seebrücken ist Usedom ungeschlagen. In Ahlbeck steht die älteste Seebrücke Deutschlands, ein historisches Wahrzeichen mit markanten Aufbauten, das bereits um 1900 Touristen anzog. Die Seebrücke Heringsdorf gilt mit ca. 508 m als eine der längsten Seebrücken Europas und ist Anlegepunkt für Fahrgastschiffe, die die Kaiserbäder miteinander verbinden.

Besonders beeindruckend ist die 2021 erneuerte Seebrücke Koserow mit ihrer ungewöhnlichen, wellenförmigen Gestalt und großzügigen Terrassen mit Bänken und Strandkörben.

In Zinnowitz wartet an der Spitze der Vineta-Brücke die weltweit erste stationäre Tauchgondel auf Besucher. Alle Seebrücken sind zugleich beliebte Flaniermeilen, Treffpunkte bei Sonnenuntergang und Bühne für sommerliche Veranstaltungen wie das Bansiner Seebrückenfest mit Marktständen, Livemusik und Kinderprogramm.

Wer alle Seebrücken der Kaiserbäder abläuft, kann dabei die gesamte 8,5 km lange Strandpromenade genießen - ein unvergesslicher Spaziergang mit Meerblick.

 

Streckelsberg Koserow - Höchste Erhebung an der Küste

Kurz vor dem Seebad Koserow erhebt sich der rund 60 m hohe Streckelsberg - die höchste Erhebung an der Küste Usedoms und ein geologisches Zeugnis der letzten Eiszeit. Entstanden durch gewaltige Verschiebungen von Eis, Geröll und Gesteinsmassen vor rund 12.000 Jahren, bildet der bewaldete Hügel mit seiner Steilküste zur Ostsee eine der dramatischsten Küstenlandschaften der Insel. Bei guter Sicht reicht der Panoramablick von der Kuppe bis zur Insel Rügen, zur Greifswalder Oie und zur polnischen Insel Wollin.

Eine kleine, gut ausgebaute Wanderung führt durch stille Buchenwälder am Hang hinauf - besonders eindrucksvoll im Frühling mit Blütenteppich oder im Herbst mit buntem Laub. Am Fuß des Streckelsbergs befindet sich die markante Seebrücke Koserow mit ihrer geschwungenen, wellenförmigen Form, sodass sich Streckelsberg und Seebrücke ideal zu einem Halbtagesausflug kombinieren lassen. Der Aufstieg ist moderat und auch für Kinder gut geeignet - ein Naturerlebnis, das sich klar von den typischen Strandtagen abhebt.

 

Tauchgondel Zinnowitz - Trockenen Fußes auf den Meeresgrund

An der Ende der ca. 315 m langen Vineta-Brücke in Zinnowitz wartet eine echtes Novum: die weltweit erste stationäre Tauchgondel, die seit Juni 2006 Besucher trockenen Fußes in rund viereinhalb m Tiefe auf den Grund der Ostsee befördert. Die ca. 45 Tonnen schwere Gondel hat einen Durchmesser ca. 7,10 Metern, ist druckfest konstruiert und mit großen Sichtfenstern ausgestattet, durch die je nach Jahreszeit und Sichtverhältnissen Quallen, Garnelen, Grünalgen und gelegentlich auch Fische zu beobachten sind.

Bis zu 24 Besucher gleichzeitig nehmen an der rund 40-minütigen Tauchfahrt teil, die mit einer Einführung in die Ökologie der Ostsee sowie eindrucksvollen 3D-Naturfilmen über Meeresbiologie, Riesentintenfische und die Tiefsee begleitet wird. Das Konzept - entwickelt von einem Zinnowitzer Architekten - diente als Pilotprojekt für weitere Tauchgondeln an der Ostsee, etwa in Sellin auf Rügen und in Grömitz. Tickets sind direkt an der Gondel erhältlich. Ein unvergessliches Erlebnis für die ganze Familie, das Usedom von einer völlig neuen Seite zeigt.

Taucherglocke Zinnowitz (Bild Pixabay)

 

Vineta-Festspiele Zinnowitz - Sagenhaftes Spektakel am Meer

Jeden Sommer verwandelt sich der Strand von Zinnowitz in eine einzigartige Freilichtbühne: Die Vineta-Festspiele erzählen die Sage der versunkenen Ostseestadt Vineta in einem mitreißenden Open-Air-Spektakel, das Tausende Zuschauer aus ganz Deutschland anzieht. Die Inszenierung vereint moderne Licht- und Lasereffekte, Pyrotechnik, Musik und aufwendige Tanzchoreografien zu einem unvergesslichen Gesamtkunstwerk - mit dem realen Meer als dramatischer Kulisse im Hintergrund.

Die Legende von Vineta, einer sagenhaften, prächtigen Stadt, die einst wegen der Gier und des Hochmuts ihrer Bewohner in den Fluten der Ostsee versank, wird jährlich neu inszeniert und zieht durch immer wieder neue künstlerische Interpretationen ein breitgefächertes Publikum an. Die Aufführungen finden in den Sommermonaten an mehreren Abenden statt und sind bei Familien ebenso beliebt wie bei kulturbegeisterten Paaren. Karten sollten frühzeitig reserviert werden, da die Vorstellungen regelmäßig ausverkauft sind. Wer das Spektakel live erlebt, trägt eine der eindrucksvollsten Erinnerungen des Usedom-Urlaubs nach Hause.

 

Wasserschloss Mellenthin - Renaissanceanlage im Herzen der Insel

Mitten im Naturpark Usedom, umgeben von einem bis zu 20 m breiten Wassergraben, liegt das Wasserschloss Mellenthin - eine der bedeutendsten historischen Anlagen der Insel. Zwischen 1575 und 1580 ließ die adlige Familie von Neuenkirchen das zweigeschossige Backsteinherrenhaus auf einer künstlichen Insel errichten. Der Name „Mellenthin" stammt aus dem Slawischen und bedeutet so viel wie „Mittelpunkt" - ein passender Begriff, liegt das Schloss doch tatsächlich nahezu im geografischen Zentrum Usedoms.

Nach bewegter Geschichte, Enteignung in der DDR-Zeit und Nutzung als Kindergarten, Wohnanlage und Heimatmuseum wurde das Schloss 2001 privatisiert und seither liebevoll zu einem Hotel mit Restaurant, Wellnessbereich, hauseigener Brauerei und einer der ersten Kaffeeröstereien der Insel ausgebaut. Heute ist das Wasserschloss Mellenthin ein beliebtes Ausflugsziel für Tagestouristen, die das historische Ambiente bei Kaffee, selbst gebrautem Bier oder einem Mittagessen genießen möchten. Ein Spaziergang durch den alten Schlosspark mit seinem prachtvollen Baumbestand und der romantischen Brücke über den Wassergraben rundet den Besuch ab.

 

Wasserschloss Mellenthin (Bild PremClub)

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